Verein
                                          für
                                 Höhlenkunde
                                     Sonthofen
                                            e.V.
   


Über uns





Der Verein für Höhlenkunde  Sonthofen e.V.
 wurde am 16.03.1975  gegründet,
 um die Höhlenforschung 
im südlichen Allgäu,
 insbesondere im näheren Umfeld des Gottesackerplateaus, durchzuführen, 
wissenschaftliche Forschungsprojekte zu unterstützen und die Allgemeinheit über die Medien darüber zu unterrichten. 
Die Mitglieder des Vereins sind erfahrene Bergsteiger und/oder Höhlenforscher, 
da die Forschungsobjekte meist einen Schwierigkeitsgrad erreichen, der weit über das Übliche hinausgeht. Viele Mitglieder haben entweder eine Tauchausbildung, oder sind erfahrene Alpinisten und sind physisch sowie psychisch genügend belastbar, um nicht nur mit sich selbst in Extremsituationen fertig zu werden, sondern auch ein hohes Vertrauensverhältnis zu den Kameraden herzustellen.






Die Aufgabe dieser Webseite besteht darin, unsere Forschungs-Ergebnisse dem jeweiligen Interessenten möglichst aktuell mitzuteilen, da wir keine Geheimnisse hüten 
(nur ganz Kleine …)


Der Verein bietet
KEINE 
Führungen
an!


Wir bitten daher von Anfragen abzusehen! 
Dies machen wir nicht aus Überheblichkeit,
 sondern weil uns das Risiko eines Höhlenunfalls mit unbekannten Begleitern zu hoch ist. In den meisten Forschungsobjekten ist keine Höhlenrettung von verunglückten Personen mit einfachem Aufwand möglich. Und wir befassen uns mit Höhlenforschung, nicht mit Höhlentouristik.
 

Forschung

Der Verein für Höhlenkunde Sonthofen e.V. betreibt die Erforschung der Regionalen Höhlen im südlichen Oberallgäu und im Kleinwalsertal. In den 90’er Jahren begann die Moderne Höhlenforschung des Höhlenvereins Sonthofen im Hölloch. Die Erforschung des Höllochs durch die damaligen „jungen und wilden“ erbrachte durch eine erfolgreiche Tauchaktion den erhofften Durchbruch. In den darauf folgenden fast 20 Jahren wurde das Hölloch bis zum heutigen Forschungsausmaß erforscht. Seit 2008 bemüht sich der Verein für Höhlenkunde Sonthofen e.V. um die neue Generation „jung und wild“, die die weitere Erforschung des Höllochs und der Höhlen in der Region vorantreiben sollen. 

                                                                                                                                                      siehe : Das Hoelloch im Mahdtal - Buch 

Das vorrangige Ziel heute liegt in der Erforschung des zu erwartenden Großhöhlen-Systems Gottesacker-Auenmulde. Die Spitzeckhöhle ist der heute einzige bekannte Zustieg in dieses System. Andere Höhlen – wie die Kalte Platte, Schneeloch, Kellerlochhöhle, etc. gehören vermutlich ebenfalls zu diesem System. Eine Verbindung zwischen diesen Höhlen konnte – da wir erst am Anfang der Erforschung stehen – noch nicht gefunden werden.

 

 

Höhlenschutz - Fledermausschutz

 

Höhlen und Karstlandschaften stellen ein hoch sensibles Ökosystem dar, daher benötigen sie besonderen Schutz. Höhlen sind ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Gerade die heimischen Fledermausarten deren Bestände stark gefährdet sind, sind auf intakte Höhlen als Winterquartiere angewiesen. Je nach Art benötigen sie in der Winterszeit gleichmäßige Temperaturen zwischen 0 und 10° C. Im Winterschlaf fahren die Fledermäuse ihren Energie-Stoffwechsel so weit herunter, daß sie mit ihren Fettreserven den Winter gut überstehen. Ihre Herzschlagrate liegt dann bei 1 % der des Wachzustands, die Atemfrequenz sinkt ( manche Fledermaus atmet nur 1 x in der Stunde!). Jede Störung während des Winterschlafs hat unmittelbare Auswirkungen auf ihren Stoffwechsel. Kleinste Temperaturveränderungen in ihrer Umgebung, z.B. durch offenes Feuer oder große Menschenmengen, hat zur Folge, daß die Fledermäuse aufwachen und sie ihren Stoffwechsel kurzfristig und schnell wieder hochfahren müssen, um sich einen neuen Schlafplatz zu suchen. Das verbraucht viel Energie und kann bei wiederholten Störungen dazu führen, das die Fettreserven der Fledermaus nicht mehr ausreichen, um über den Winter zu kommen und sie schließlich verendet. Um die Fledermäuse in ihrem Winterschlaf nicht zu stören, sollte man unbedingt die Fledermausschutzzeiten vom 1. November bis 15. April einhalten und in dieser Zeit auf Höhlenbefahrungen verzichten !!!! Eine ebenso große Bedeutung haben die Höhlen in der Hydrologie (Gewässerkunde). Darum sollte man, wenn man eine Brotzeitpause in der Höhle einlegt, aber auch sonst, seinen Müll wieder mit nach Hause nehmen und nicht einfach in oder vor der Höhle entsorgen !Tropfsteine und diverse andere Sinter-Schönheiten gehören in die Höhle - denn dort sind sie am schönsten - und nicht ins Wohnzimmer !  Und : gucken tut man mit den Augen, nicht mit lehmbeschmierten Händen !

 

D´rum, Höhlenfreund, merk dir dies:

Nimm nichts mit - außer tollen Eindrücken,

laß´ nichts zurück  - außer deinen Gedanken und deinem Herz,

zerstöre nichts

und schlage nichts tot ! 

 

Hölloch  1127/0
Kürengang

Erkundung Jungbrunnen im Hölloch

Entgegen anderslautenden Internet-Höllochberichten von ‚Einmalbefahrern‘ sind wir nicht der Meinung, daß der Höllochschacht, insbesondere im Winter, ganz einfach zu befahren sei.

Wir warnen vor allzu leichtsinnigen Aktionen.

Was einmal aufgrund optimaler Wetterlage gut ging, kann ein andermal in einer Katastrophe enden. Im Hölloch ist der Abstand zwischen einem ‚kleinen‘ Problem und einer Katastrophe nur minimal! An der Gedenksäule für Sepp Gerstmair wäre zwar noch Platz für andere Gedenkplatten, … aber es muß ja nicht sein! Wir wissen, wovon wir reden! Hundertprozentiges Wetter (trocken, kalt) ist Grundvorausetzung für eine Höllochbefahrung. Die beste Jahreszeit für den Besuch der Höhle ist der Herbst und der Winter.

Wir möchten noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass unerfahrene Höhlengeher nichts im Hölloch verloren haben und erst recht nicht bei zweifelhaften Wetterverhältnissen. Selbstüberschätzung, Ausrüstungsmängel und fehlende Kondition können bei einem Wassereinbruch oder Wetterumschwung fatale Folgen haben.

 

Spitzeckhöhle  1127/34
E2

Zwischen den Tropfsteinen durch, ohne sie zu beschädigen.

Die Spitzeckhöhle kann im Sommer und Winter befahren werden. Die tiefen Höhlenteile ab dem 1. Siphon jedoch nur im Winter. Zu Zeiten der Schneeschmelze, oder Zeiten mit mehr Niederschlag kann der 50m Schreihals – Schacht einen Wasserfall führen, wodurch Ab /- oder Aufstieg deutlich schwieriger wird / ein Neoprenanzug notwendig wird.

Für die Befahrung ab dem 1. Siphon – im Winter – ist zumindest eine Neoprenhose erforderlich. Teilweise muss Bauchhohes Wasser durchquert werden. Wir raten dringend davon ab die Höhlenteile unterhalb des 1. Siphons zu begehen. Eine Begehung erfordert großes höhlenkundliches Wissen, aufgrund der Enge, dem Wasser und hohem Versturz Risikos!

Der Höhenunterschied vom Eingang bis zur Donnerhalle – die erste Begegnungsstelle mit dem Höhlenfluss – beträgt ca. -150m. Im Abstieg benötig ein sportlicher Höhlengeher ca. 1:15h. Im Aufstieg – je nach Anzahl an Personen ca. 3:30h.
Die Wegführung im Aufstieg ist nicht immer klar.

Kellerloch  1127/39

Manniloch

 

 

 Gamsbockloch 1151/8

 

Löwenhöhle  1126/9

 

Rubachhöhle

Schneckenloch  1126/1

Schwarwasserhöhle 1127/4

 

 

Kellerlochschacht

 

Heidelbeerschacht  1127/24

Sinterablagerungen und Tropfstein

Die Sinterbildung ist abhängig von der Tropfwasseraktivität in der Höhle und dem Kohlendioxid im Sickerwasser. Der Gehalt von Kohlendioxid im Sickerwasser ist abhängig von der den Boden bedeckenden Vegetation und natürlich vom Niederschlag. Deshalb erfolgt die Sinterbildung in Abhängigkeit vom jeweils über längere Zeiträume herrschenden Klima. Die Farben der vielen Sinterformen werden durch das Tropfwasser beeinflusst , wie verunreinigtes Tropfwasser durch Lehm oder andere Beimengungen.  Beispiele von gelösten Beimengungen sind   Kupfer , Eisen , Mangan . Eine andere Form von Kalksinter ist Mondmilch . Die feinen Calcitkristalle werden wässrig ausgeschieden und sind am Boden und an den Wänden als cremeartiger Überzug zu sehen. Die Mondmilch härtet aus wenn das Wasser  in ihr verdunstet. Bekannte Sinterformen  sind : Stalaktiten , Stalagmiten, Stalagnat , Makkaroni , Excentriques , Kerzenstalagmit , Sintersäulen , Sinterfahnen , Warzensinter , Sinterbecken .

Fachbegriffe aus der Höhlenforschung

Befahrung

bergmännisch für Begehung einer Höhle

Bergmilch

weiße, feinkristalline Calcitausscheidungen an Decken und Wänden

Blumenkohlsinter

Sinterform, die aussieht wie ein Blumenkohl

Calcit

Calciumkarbonat (Kalk) in kristalliner Form

Doline

Karsthohlform

Dolomit

Calcium-Magnesiumkarbonat, höhlenbildendes Gestein

Erosion

Vorgang der mechanischen Verwitterung

Excentrique

in alle Richtungen wachsende Sinterform

Höhle

natürliche vorkommender Hohlraum im Gestein

Karbid/Karbidlampe

Calciumkarbid, das Licht der Karbidlampe wird durch Verbrennung des Gases Acetylen erzeugt, das bei Verbindung von Calciumkarbid mit Wasser entsteht.

Kalk

Calciumkarbonat, höhlenbildendes Gestein

Karst

Landschaftsformen, die durch Einwirkung von Niederschlägen auf leicht lösliche Gesteine geformt werden (=Verkarstung)

Karstquelle

Austrittsstelle des Karstgrundwassers

Kluft

Riss oder Fuge im Gestein

Kolk

rundliche Vertiefung in der Höhlendecke oder im Höhlenboden, entstanden durch Korrosion

Korrosion

Vorgang der chemischen Gesteinsauflösung

Makkaroni

Sinterröhrchen, kleine dünne Sinterröhren

Montmilch/Mondmilch

Bergmilch, weiße, feinkristalline Calcitausscheidungen an Decken und Wänden

Polje

großes Kesseltal mit unterirdischem Abfluß

Ponor

Schluckloch oder Bachschwinde

Rippelmarken

Wellenfurchen an Höhlenwänden, verursacht durch Wasser

Schacht

senkrecht in die Tiefe führender Höhlengang

Schlaz

wasserabweisende Schutzkleidung für Höhlenforscher aus festem Gewebe

Schluf

Engstelle oder Kriechstrecke in einer Höhle

Sinter

aus wässrigen Lösungen ausgeschiedenes Calcit, bildet Tropfsteine

Sinterbecken

Becken die durch Kalkabscheidungen -aufgeschichtete Kalkränder - entstanden sind.

Sintervorhang

In gewundenen Bahnen herunterhängende Sinterform

Siphon

unter Wasser liegender Höhlengang

Speläologie

Höhlenkunde

Stalagmit

Tropfstein am Boden, von unten nach oben wachsend

Stalagnat

Tropfsteinsäule

Stalagtit

Tropfstein von der Decke herabhängend, von oben nach unten wachsend

Tropfstein

Sinterform, die durch Sickerwasser oder Tropfwasser, das Calcit ausscheidet gebildet wird

Exkursion über die Karstlandschaft auf dem Gottesackerplateau 

Der Schrattenkalk auf dem Gottesackerplateau  ist eine grau-weiße zerklüftete Hochfläche. Die Felsenoberfläche besteht aus kleinen Rissen , Klüften , Spalten, Schichtfugen und Karstschloten .  Zu den  häufigsten Formen des Oberflächenkarstes gehören die Karren. An sogenannten Karrenkreuzen entstehen besonders auch vertikale Schächte. Die Entstehung der jeweiligen Form der Karren wird durch den kohlensäurehaltigen Niederschlag oder der Schneeschmelze beziehungsweise dem Schmelzwasser beeinflusst. Die Verkarstungsfläche am Gottesackerplateau  bietet so viele verschiedene Formen , dass man  auf der  riesigen Fläche gar nicht weiß, wohin  man  schauen soll. Man fühlt sich fast erschlagen. Das Gottesackerplateau ist auf jeden Fall sehenswert und man entdeckt mit Sicherheit bei jedem weiteren Besuch immer wieder neue Formen im Gestein. 

Hier einige Beispiele für alpine Karsterscheinungen.

 

Firstrillenkarren

Firstrillenkarren sind vereinzelt an stark geneigten oder steilen Flächen  zu finden. Sie erinnern an einen nicht gedeckten Dachfirst - daher der Name.

Karrenkreuz/Stern

Wo sich verschiedene Kluftrichtungen kreuzen, entstehen Karrenkreuze. An solchen Stellen können sich Schächte bilden.

Rundkarren

Rundkarren findet man auf flachen oder leicht geneigten Flächen. Sie haben abgerundete Karrenrinnen- und rücken.

Kluftspalten

Durch Korrosion werden die Kluftwandungen immer mehr erweitert, so können aus kleinen Rissen mehrere Meter breite und sehr tiefe Spalten entstehen.

Rillenkarren

Rillenkarren sind nur an steilen oder stark geneigten Felsflächen zu finden.

Kluftkarren

 Kluftkarren bilden sich entlang von Klüften.

Mäanderkarren

Sie sind den Rinnenkarren ähnlich , bilden aber  im Verlauf  Kurven. (Rinnentiefe wenige cm )

Trittkarren

Sehen aus wie hintereinander angeordnete Fußtritte.

 Bildmitte

Rinnkarren

Sie sind auf flach geneigten Flächen anzutreffen.

Subkutane Mäanderkarren

Sie sind U-förmig und tiefer als die anderen Mäanderkarren.

Schnittlauch

In den Karren finden sich oft Pflanzen.

Alpen Blumen


Die Alpenpflanzenwelt ist ein farbenprächtiger Kontrast zu den grau-weißen Schrattenkalk Schichten.

 

 

Text Quelle

Buch: Hochifen und Gottesacker Karst und Höhlen 2000/2001

 Bilder : Jürgen Nusser

 

Das Hölloch im Mahdtal

Geschichte

Hölloch-Erforschungsgeschichte als Polygonzug-Animation (ca. 1300 Messpunkte in 1334 Messzügen, Stand 04.2005). Der höchste Punkt: 1518 Meter, der niedrigste Punkt liegt auf 1064 Meter, die mittlere Messzuglänge beträgt 7 Meter, die Längste 47,3 Meter, die Kürzeste 0,3 Meter. Das Gebiet der Höhle hat eine Oberflächenausdehnung von ca. 1600 Meter * 1600 Meter. Eine Begehung vom Schachteingang bis zum Endpunkt dauert ca. zwei Tage und bietet vom Schwierigkeitsgrad alles, was man so braucht … oder auch nicht ;-).

 

1861

C. W. Gümbel sondiert die geologische Situation im Ifengebiet im Interesse am Abbau von Bodenschätzen.

1902

Dr. Max Eckard untersucht um die Jahrhundertwende den Schacht und kommt zum Ergebnis, dass er mehrere hundert Meter tief sein muß

1904/05

Aufbruchstimmung im Kleinwalsertal, Die Breitachklamm wird ausgebaut.

1905

Hermann Paul, Jäger, Riezlern und Kaplan Xaver Lutz, Riezlern gelingt es, den Schacht im Hölloch zu bezwingen.

1906

Pfarrer Längle aus Riezlern organisiert die erste Erkundung des Höllochs. Er beauftragt seinen Kaplan Xaver Lutz, der mit einigen Bürgern aus dem Walsertal die Erforschung beginnt. Im Jahr 1906 finden fünf Abstiege statt, wobei der größte Teil der Höhle vom oberen Höllochsee bis zum ersten Siphon erforscht und kartiert wurde.

1935

Ein Skitourenläufer aus Bad Wörishofen stürzt bei der Abfahrt durchs Mahdtal in den Schacht und kann nur noch tot geborgen werden.

1936

Kemptener Bergsteiger besuchen das Hölloch. Sie wollen unter Leitung von Sepp Gersmair einen Plan der Höhle erstellen. Vom bereits 1906 erstellten Gesamtplan war ihnen nichts bekannt. Während die Gruppe im unteren Teil unterwegs ist, zieht ein schweres Unwetter auf. Beim Aufstieg im Schacht mit einem Hanfseil-Flaschenzug bleibt Sepp Gerstmair unter dem Ausstieg hängen und stirbt an Erschöpfung und Unterkühlung.

1938

Es fanden drei Befahrungen durch Walser Bürger statt. Man versuchte durch Sprengungen den Siphon am unteren Höllochsee zu umgehen. Man vermutet einen Ausgang im Schneckenloch, auch will man innerhalb der Höhle in der Nähe des ersten Siphons das Aussenlicht erblickt haben. Wir suchen noch heute danach!

1949

Erste wissenschaftliche Untersuchung des Höllochs durch die Deutsche Gesellschaft für Karstforschung. An dem Unternehmen waren 13 Wissenschaftler, Techniker und Studenten beteiligt. In dieser Zeit kamen 30 Personen in die Höhle, wobei 90 Einfahrten erfolgten.

 

1950

Zweite wissenschaftliche Untersuchung des Höllochs, wieder durch die Deutsche Gesellschaft für Karstforschung. Dazu wurden 30 Einfahrten durchgeführt, an denen insgesamt 13 Personen teilnahmen.

1964

Eine Gruppe des Vereins für Höhlenkunde in München unter der Leitung von Klaus Cramer besucht das Hölloch zusammen mit der Bergwacht Oberstdorf. Der Wasserfall in der Natterkluft wird überwunden, aber die vermutete Umgehung des oberen Höllochsees wird nicht entdeckt.

1971

Eine Gruppe der Alpenvereinsgruppe Sektion Immenstadt stattet dem Hölloch einen Besuch ab, wobei erstmals in der Höhle biwakiert wird.

1972

Der Münchner Höhlenverein ist wieder im Hölloch unterwegs. Der Schacht wird erstmals mit Perlonseilen und Jümartechnik befahren. In waghalsiger Aktion (zusammengeschraubte Kletterstangen) konnten Georg Ronge und Jürgen Becker die ersten zwei Wasserfallstufen des Oberlaufs bezwingen. Im Herbst desselben Jahres wird im Oberlauf die beeindruckende Helmut-Cramer-Halle entdeckt und Gerhard Baur macht erste Filmaufnahmen.

1973

Gerhard Baur dreht seinen Film „Eine Seilfahrt in die Unterwelt“.

1975

Nach Vorarbeiten von Adolf Triller und Eugen Heimhuber gelang es Jürgen Becker die überhängende, glatte Wand der Helmut-Cramer-Halle zu überwinden. Im selben Jahr richtete der Höhlenverein Sonthofen ein hochwassersicheres Biwak in der Natterkluft ein, um längere Arbeiten in der Höhle durchführen zu können.

1976

Erste Tauchaktionen. Verteilt auf zwei Versuche erreichen Jürgen Becker und Rupert Helmle die Luftglocke im 2. Siphon.

1979

Tauchversuch von Wolfgang Morlock. Wegen zu kurzer Führungsleine konnte er die Luftglocke im Siphon nicht erreichen. Im selben Jahr erfolgte noch die Planaufnahme des Oberlaufs durch A. Triller bis über den Endpunkt J. Beckers hinaus.

1980

Gerhard Baur und Benno Heimhuber bezwingen den letzten Wasserfall und erreichen den obersten Höllochsee. Ebenfalls im selben Jahr gelang die Fertigstellung des Höhlenplanes durch A. Triller vom Münchner Höhlenverein.

1985

Wolfgang Morlock aus Stuttgart taucht als erster durch den 2. Siphon und begeht die Druckstollen vermutlich bis zur Kieshalde.

1989

Hermann Maier aus Ulm taucht durch beide Siphone und erkundet die Druckstollen bis zum 1. Abstieg Richtung Silberdom.

1990

Hier beginnt die Neuzeit. Die vorerst letzte Generation macht sich auf, das Hölloch zu erweitern. Ein bunt gemischter Haufen aus Jungen und etwas Älteren, Kletterern und Höhlenforschern, hauptsächlich aus Immenstadt und Umgebung sowie aus dem Münchner Raum, planen jährlich Expeditionen, die mit großem Aufwand große Neulandgewinne erzielen.

1991

Eine dreiköpfige Höhlenbesuchertruppe wurde am Ausfahren gehindert, indem jemand das Seil im Schacht nach oben zog.

1994

Mit Gerhard Baurs Film „Mit dem Wasser in die Tiefe“ kommt wieder Leben in die Höllochforschung. Bei Unterwasser-Probeaufnahmen wird die Gruppe vom Hochwasser überrascht und muß eine Nacht im kürzlich gebauten Hölloch-Biwak verbringen. Bei einer Kurzaktion im Dezember (1 Tag, 3 Taucher und 3 Träger) wird der Quergang zum Waschhallenabstieg erbohrt und das vorläufige Ende ca. 1,6 km vom Schacht am 3. Siphon erreicht.

1995

Große Tauchaktion im Februar. Sieben Taucher wühlen im 2. Siphon. Wir bauen Materialseilbahnen durch die drei großen Hallen (Silberdom, Riesenhalle, Waschhalle) und unternehmen einen Tauchversuch im 3. Siphon. Hermann Meier erreicht das Ende des 3. Siphons nach 60 m, nur 5 m nach Michael Schafroth’s Umkehrpunkt vom Februar. Steile Wände führen in die Höhe und hindern Hermann am Ausstieg mit den schweren Tauchflaschen. Im Dezember wird der Ausstieg durch eine Leietr vereinfacht man verfolgt ca. 50 m Gänge nach dem 3. Siphon bis zu einem erneuten Abbruch.

1996

Sechs Tage werden im Hölloch verbracht. Es werden weitere ca. 200 m lange Gänge verfolgt, bis man am 4. Siphon, einem neuen Endpunkt im Hölloch, steht. Mit Hilfe von Andreas Wolf einem Vermessungsingenieur vom Verein für Höhlenkunde in München gelingt in mehreren Aktionen die Planaufnahme des neuen Höhlenteils bis zum 3. Siphon. Nach Auswertung der ersten Vermessungsergebnisse scheint eine trockene Umgehung der ersten beiden Siphons möglich zu sein. Und tatsächlich finden wir kurz darauf eine sehr enge, aber gangbare Umgehung des ersten Siphons (Knappengang).

1997

Zu Zweit soll am 4. Januar der 4. Siphon ‚geknackt‘ werden. Der 4.Siphon erweist sich als Flop und ist nur 2 m lang. Michael verfolgt noch ca. 80 m Gänge bis er am nächsten, dem 5. Siphon steht. Im gleichen Winter finden noch zwei Aktionen statt, wobei eine vermessene Gesamtlänge von 3340 merreicht wird. Im Herbst wird durch Zufall hinter einem engen Schluf beim Endversturz der Natterkluft der Herkulessaal, den größten Raum im alten Höhlenteil, gefunden.

1998

End Januar werden acht Tage am Stück im Hölloch verbracht. Trotz anhaltender Materialprobleme gelingt die Vermessung der Achterbahn und der Strecke vom 4. – zum 5. Siphon in einer 20 Std.- Tour. Dabei wird auch für den 4. Siphon eine Umgehung gefunden. Hans, der sich einmal vor dem 3. Siphon genauer umsieht, entdeckt in der Plattenhalle einen vielversprechenden Gang, der als Umgehungsmöglichkeit für den 3. Siphon in Frage kommt. Auch in der Natterkluft geht es weiter. Ein großer Schlot wird 50 m weit erstiegen. Ende Februar wird die lang ersehnte Umgehung des 3. Siphons gefunden. Mit der Vermessung wurde auch die 4 km Marke überschritten.

1999

Erstmals wurde im unteren Biwak II (vorläufiges Biwak nahe des 3. Siphons) drei Tage am Stück übernachtet. Beim 5. Siphon stieß man auf ein Labyrinth von Gängen mit etlichen Rundläufen. Große trockene Druckröhren führen zu einem weiteren, dem 6. Siphon (Halbsiphon), der ebenfalls umgangen werden konnte. Über einen  steilen Gang und einen wunderschönen Tropfsteingang gelangt man in die bislang ca. 400 m lange Fußgängerzone mit den schönsten und größten Gängen des Höllochs. Die Gesamtlänge des Höllochs beträgt im Moment 4760,4 Meter vermessen und ca. 5300 m begangen. Für eine Begehung des neuen Höhlenteils vom alten Biwak bis zum jetzigen Forschungsendpunkt und zurück muß mit 16 – 18 Stunden gerechnet werden. Voraussetzung dafür ist, daß die Ausrüstung bereits am Vortag in der Höhle deponiert wird, was auch einen halben Tag Vorbereitung kostet.

2000

Eine vierköpfige Forschergruppe konnte am Endpunkt der vorjährigen Höllochwoche große und teilweise mit Sinterformationen versehene Horizontalgänge in den Drusbergschichten vorfinden und dokumentieren. Das derzeitige Ende besteht aus einem einsehbaren und großen Schachtabstieg, bzw. mehreren diversen Seitengängen, die aus Seilmangel nicht befahren werden konnten. In der Summe wurden 565 m Ganglänge vermessen. Damit beträgt die vermessene Länge derzeit 5.325 Meter. Das Hölloch ist derzeit die siebtlängste Höhle in Deutschland. Ferner wurden umfangreiche Temperatur- und Leitfähigkeitsmessungen der verschiedenen Fließgewässer, sowie eine Fotodokumentation in den neuen Höhlenteilen durchgeführt.

2001

Eine fünfköpfige Forschergruppe konnte am Endpunkt der vorjährigen Höllochwoche in große und teilweise wieder mit sehr schönen und großen Sinterformationen versehene Horizontalgänge vorstoßen. Dabei wurden über 600 m Neuland vermessen und ca. weitere 570 m ohne ein Ende zu erreichen, begangen. Der Charakter dieser Höhlenteile scheint sich hier grundlegend zu ändern, da der seit der Fußgängerzone verschwundene Höhlenbach nicht mehr beobachtet werden konnte und die neu aufgefundenen Höhlengänge sich fächerartig in der Fläche entwickelten. Damit kann das nur noch 62 m betragende Höhenpotential zur Resurgence des Höllochhöhlensystem, der Sägebachquelle, als mögliche Rückstauzone gewertet werden. In Summe wurden 775 m vermessen und die derzeitige vermessene Gesamtganglänge beträgt 6.100 Meter. Damit ist das Hölloch derzeit die fünftlängste Höhle in Deutschland.

2002

Die sechsköpfige Forschergruppe mußte zuerst in einer Tagesaktion das Material aus dem unteren Biwak II kurz vor dem 3. Syphon in die Fußgängerzone, der tagfernste Teile der Höhle, verlagern. Der neue Biwakplatz bietet einen schnelleren Zugang zu den neuen Teilen, sowie für die Forscher, im Gegensatz zum alten Biwakplatz, angenehmere Rahmenbedingungen. An den darauffolgenden Tagen konnte an diversen Endpunkten der vorjährigen Höllochwoche u.a in ein verzweigtes, enges und teilvadoses Labyrinth von Gängen bis zu dem Karstwasserspiegel der Sägebachquelle vorgedrungen werden.
In der Summe wurden 939 m vermessen und die derzeitige vermessene Gesamtganglänge beträgt7.039 Meter. Ca. 8.000 m wurden bis dato erkundet. Damit ist das Hölloch derzeit die drittlängste Höhle in der Bundesrepublik Deutschland.

2003

Zu Viert wird die Höllochwoche durchgeführt. In den ersten beiden folgenden Tagen werden 700 Meter Neuland vermessen. Aorta, neue Gänge im Labyrinth und im Kürengang. Trotz intensiver Suche findet man am Ende des Kürengangs keine grossen Fortsetzungen. Allerdings können wir einen schrägen Schlot erklettern mit Luftzug nach aussen und Fledermauskot an seinem Ende. Mit induktiven Funkgeräten, entwickelt und gefertigt von Günter Stautz, der vom Verein für Höhlenkunde in München zu uns stiess, gelingen uns Sprechfunkverbindungen nach Aussen. Die derzeit vermessene Gesamtlänge beträgt 7.703 Meter.

2004

Die alljährliche Höllochforschungswoche findet wieder im Januar statt. Wegen Tauwetter hatte man um eine Woche verschieben müssen. Es wurden ca. 200 Meter großvolumige Druckstollen mit wunderschönen schwertförmigen Stalagmiten vermessen. Zahlreiche kleinere Seitengänge, darunter auch der Meuterergang werden vermessen. Andi und Günter weigern sich, einen schönen geräumigen Seitengang auf Geheiß des Expeditionsleiters Jürgen weiter zu vermessen (Ähemm, dies schreit nach Gegendarstellung, die Red.). Darum auch der Name Meuterergang. Zum Schluss finden wir sogar noch eine Umgehung für die kalten Thermen. Günter testet neue Peil- und Induktionssender. Die derzeit vermessene Gesamtlänge beträgt 8.728 Meter.

2005

Die Höllochwoche wird durchgeführt: Vermessungen im Labyrinth und im Kürengang werden nachgeholt. Günters Peilsender wird im tagfernsten Teil der Höhle in einem Endschlot deponiert. Eine Schaltuhr wird ihn in zwei Tagen am 15.01.2005 um 14:00 Uhr anschalten. Dann folgt der Abbau von Biwak II, Rückweg ins Biwak I und der Ausstieg aus der Höhle bei herrlichstem Wetter. Am 15.01.05 um 14.00 Uhr beginnt die Suche nach der Nadel im Heuhaufen an der Oberfläche. Nach einer Stunde endlich: Erfolgreiche Ortung des Peilsenders. Damit kann der Ringschluss zum Eingangsschacht geschlossen werden. Das gesamte Jahr über wurde an 10 Wochenenden am Ortungspunkt gegraben. Im Oktober wird der Peilsender in 26 m Tiefe erreicht. Ein zweiter, künstlicher Eingang am tagfernsten Punkt der Höhle ist gefunden. Die derzeit vermessene Ganglänge beträgt 9.343 Meter.

2006

Die Forschung wird fortgesetzt. Das Hölloch-Forschungsjubiläum (100 Jahre Höllochforschung) wird gebührend gefeiert. Ein Buch über die 100-jährige Forschungsaktivitäten wird herausgegeben. Die derzeit vermessene Ganglänge beträgt 9.600 Meter.

2007

Die Forschungen werden im südlichen Teil des Kürengangs fortgesetzt, sowie naheliegende Karstobjekte erstmals näher angeschaut und eine Verbindung zum Hölloch-Höhlensystem vermutet. Der Klimawandel macht sich bemerkbar. Fast keine Woche im Januar oder Februar ist stabil genug, um eine Woche in die unteren Teile abzusteigen. Die derzeit vermessene Ganglänge beträgt 9.780 Meter. Das Ende der Gangpassagen wurde noch nicht erreicht.

2008

Die Forschungen haben eine interessante Wende gefunden. Wir stehen wieder vor vielen Fragezeichen und kehren auf offener Strecke um. Vermessen wurden bis 01.2008 9976 m. Insgesamt wurden 10.140 m begangen.

 

2025

 Bis heute 2025 ist noch nicht alles erforscht es geht weiter  !

 

Quelle: Die geschichtliche Zusammenstellung wurde von Mansur Esmann erstellt. 

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